Bild des Monats Juni 2017

Das Spiel der Grossmächte 1916:

Sonderthemen auf Postkarten I:
Kaiser Franz Joseph I. im Zerrspiegel der Propaganda

Geistige Mobilmachung, staatliche Meinungslenkung und mediale Agitation haben
im ersten Weltkrieg (1914–1918) ein bislang unbekanntes Niveau erreicht. Die
Propagandastellen steuern den Informationsfluss und die Zensurmaßnahmen.
Die Kriegspropaganda der Entente-Mächte ist im Vergleich zur k. u. k. Armee sehr
effizient. Der Karikatur kommt hier eine entschiedene Rolle zu. Sie soll die Bevölkerung
für den Krieg mobilisieren, die Moral steigern und Feindbilder schüren.
Die Karikatur erlebt in den Tages-, Wochen- und Satireblättern ihren Höhepunkt
und findet über die Postkarte eine grosse Verbreitung. Diese Bilder sollten den
Soldaten im Feld die Ängste nehmen, als Ventil für Aggressionen fungieren und
als Ablenkung dienen.

Viele Postkarten stammen aus den Jahren 1914/1915, als Italien den Beitritt zu den
Entente-Mächten verhandelte. Der Feind wird als Monster, Untier, Teufel oder
der personifizierte Tod dargestellt. Einige Motive stammen von italienischen
Künstlern wie R. Ventura und Aurelio Bertiglia. Zu den bekanntesten Serie zählt
der 54-teilige “Danza Macabra Europea” (1914-1916) von Martini. Beseelt von
patriotischem Nationalismus, verunglimpfen Gräuelkarikaturen die gegnerischen
Staaten. Der Humor wird zur Waffe. Im Falle Österreichs ist es Kaiser Franz
Joseph, auf den der Hass vom Feind übertragen wird. Gerne wird auf dessen Alter
und Schwäche angespielt.

Die stark zugespitzten Hetzbilder arbeiten mit den Assoziationen des Betrachters.
Trotz verzerrter Grenze zwischen Wahrheit und Trugbild, sind die Zeichnungen interessant,
weil sie den Erregungszustand einer Generation visualisieren. Sie sind
ein Desiderat für ikonographische und semiotische Untersuchungen. Kaiser Franz
Joseph, der mit einer Regentschaftsperiode von 68 Jahre, noch heute Symbol der
k.u.k. Monarchie ist, hat sich Zeit seines Lebens gesetzlich davor schützen lassen,
lächerlich gemacht zu werden. Daher sind Karikaturen über ihn selten, zumindest
in Österreich.

Ausstellungsdauer: Mai-August 2017, Öffnungszeiten Freitag 15-18:00, nach Vereinbarung,
Spiegelgasse 23, 0664 8758016, 1010 Wien, http://www.milaneum.com

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