Historische Fotografie

Die Sammlung des Milaneums umfasst eine breite Palette von Amateur- und professioneller Fotografie von ca. 1840-1940 aus Österreich. Sie wurde in einem Zeitraum von ca. 30 Jahren zusammengetragen. In der Vielzahl an Bildern lassen sich Kategorien von wiederkehrenden Motiven bilden, die das Fundament für Ausstellungen bilden. Die unorthodoxen Blickpunkte und das Fremde durch die Linse der Fotogeschichte eröffnen neue Perspektiven auf die Fragen: Was ist die Conditio humana? Wie gehen wir mit Erinnerung um? Wie wird Vergangenheit wahrgenommen und erzählt?

Veröffentlichte Projekte: 

Gerahmtes Gedächtnis, (Presseartikel, Wiener Zeitung, Kurier etc.)

österr. Expeditionsfotografie im 19.Jh.

Der naturwissenschaftliche Blick: Fotografie, Zeichnung und Modell im 19. Jahrhundert

Naturselbstdruck. Foto- und drucktechnisches Florilegium


Beispiele aus der Sammlung

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Alltagsfotografie – Vernacular photography – Schnappschüsse – Knipser

In unseren Ausstellungen werden Kunst- und Alltagsfotografie aufeinandertreffen. Die anonymen Bildern werden nach ähnlichen Kriterien wie bei Kunstfotografie ausgewählt, darunter Seltenheit, Einfallsreichtum, Thema, emotionaler Impakt oder Enigma. Manchmal ist auch die Ästhetik des “Unperfekten” reizvoll. Oft werden die Fotos aus tausenden Beispielen herausfiltert, um aussergewöhnliche Bilder zu finden, die noch kaum jemand gesehen hat.

Zur Alltagsfotografie zählen Arbeiten von Amateuren, Studios, Automaten, Wander- und Pressefotografen, deren Bilder ohne künstlerische Absicht entstanden sind. Weitere Beispiele sind Schnappschüsse, Familienalben, kommerzielle Portrait- und Produktfotografie, wissenschaftliche Fotografie, Reise und Souvenirbilder, Archivmaterial etc. Im Gegensatz zur Kunstfotografie gibt es auf dem Gebiet noch wenige Experten. Anhaltspunkte sind der Bezug um Sujet und ästhetischer oder dokumentarischer Mehrwert. Hier müssen eigene Sammelkategorien generiert werde. Nicht nur Künstler suchen solche Bilder als Inspiration, auch bekannte Sammler wie John Szarkowski (The Photographer’s Eye, New York: MoMA 1964) oder Thomas Walther gehen diesen Weg. Inzwischen haben sich zahlreiche Ausstellungen diesem Thema gewidmet und das Interesse des Kunstmarkts steigt.

Im Kampf um Anerkennung versuchte sich Kunstfotografen vor 100 Jahren von der “gewöhnlichen Fotografie” abzuheben, heute dient sie der Kunstfotografie und Kunstsammlungen als Inspiration, Antithese und Kontrastpunkt. Künstler nutzen Alltagsfotografie als Informationsquelle, sie überarbeiten und eignen sich an, hinterfragen die Ästhetik, den Inhalt, Nutzen und Verbreitung. Dabei entstehen Arbeiten, die Einfluss, Werte und Status der alltäglich erlebten Fotografien hinterfragen und deren komplexe Bedeutung offenlegen können. Mit diesem gefundenen Material lassen sich verinnerlichte Werte und Strukturen einer Gesellschaft offenbaren und analysieren. Auch die Ausstellungen des Milaneums haben zum Ziel, mit ihren kuratierten Bilderblöcken, Wissen über die Logik dieses Mediums und dessen Kontext zu generieren.

Auswahl vertiefender Lektüre:

https://www.bu.edu/prc/vernacular/links.htm

John Szarkowski, The Photographer’s Eye, New York: MoMA, 1966; 1980; 2007; 2009.

https://archive.org/details/JohnSzarkowskiThePhotographersEyeMuseumOfModernArt2007

http://www.eyemagazine.com/feature/article/lost-worlds-extract

Timm Starl, Knipser, Die Bildgeschichte der privaten Fotografie in Deutschland und
Österreich von 1880 bis 1980, München 1995.

Christian Schrein, Secret Snapshots, Wien 2005.

https://www.amcbooks.com

 

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