Ausstellungen

EXITUS: Tod in der Fotografie 1850 – 1950

Ausstellungsdauer: 4.9. – 22.12.2018, Besuch nach Vereinbarung: info@mailneum.com

Der Tod, ein Thema, das über die Massenmedien zur Alltäglichkeit wird, aber dennoch ein gesellschaftliches Tabu ist und das wir, je nach Alter, mit unterschiedlicher Sensibilität wahrnehmen. Wie begegnen wir dem Tod? Was zeigen wir,  wenn wir den Tod zeigen? Bei der Ausstellung werden die Antworten auf diese Fragen aus der Perspektive der Fotogeschichte geben. Die Fotografie ist das ideale Medium, um dem Vergessen entgegenzuwirken. Der Tod stellt nicht nur ein privilegiertes Motiv der künstlerischen Fotografie dar. In der Fototheorie wird dem Medium eine Nähe zum Tod nachgesagt. 

„Wie die Mutter existiert die Fotografie zwischen Leben und Tod, der Vergangenheit und der Zukunft, […] Körper und Bild, Subjekt und Imago“,  so Roland Barthes. 

Das ‚Es ist gewesen‘ verbindet Tod und Fotografie. 

Die weit verbreitete Praxis der Totenfotografie im 19. Jh. macht dabei deutlich, das viele Rituale, Bildformen und deren soziale Integrationskraft durch die Individualisierung des Totengedenkens verloren gegangen sind. Die Ausstellung spannt den Bogen von der künstlerischen Inszenierung wie Vanitas und Totentanz bis hin zur facettenreichen Alltagskultur. Rund 100 Jahre alte Fotografie und Graphik, Bilder von Totenriten, Jenseitsvorstellungen, Begräbnisarten, Anatomie, Jagd, Mord, Kriegsschauplätze und andere Orte des Sterbens, eröffnen Einblicke in viele vergessene oder verdrängte Aspekte des Todes. Über 200, grossteils einzigartige Exponate aus der Sammlung des Milaneums, werden ein tabuisiertes Thema näher bringen und dabei auch Einblicke in sehr intime Momente (private Totenfotografie) gewähren. Dennoch kann es nur ein Annäherungsversuch an ein unendliches und unbegreifbares Thema darstellen. “Exitus: Tod in der Fotografie 1850 – 1950” wurde als Gegensatz zur Ausstellung “Erotica: 1850-1950”  konzipiert. Tod und Leben sind in ihrer Natürlichkeit als untrennbare Einheit zu betrachten.

Beispiele aus der Ausstellung: EDITIONEN


EXITUS: Death in Photography 1850 – 1950

Death, a topic is more and more common through the mass media is still a social taboo and that we perceive with varying degrees of sensitivity and depending on our age. How do we encounter death? What do we show when we imagine death?

At the exhibition, the answers to these questions will come from the perspective of photographic history. Photography is the ideal medium to preserve memory. Death is not only an attractive subject for artistic photography. In photo theory, the medium is also said to be connected to death.

„Like the mother, photography exists between life and death, the past and the future, […] body and image, subject and image,“ says Roland Barthes.

The ‚It’s been‘ combines death and photography.

The widespread practice of the photography of death in the 19th Century makes it clear that many rituals, image forms and their social power have been lost through the increasing separation between the death and the living. The exhibition spans the spectrum from artistic staging such as vanitas and the dance macabre to the multifaceted culture of everyday life. Some 100 years of photography and graphics, images of funerary rites, otherworldly fantasies, burials, anatomy, hunting, murder, theaters of war, and other places of dying open up insights into many forgotten or repressed aspects of death. More than 200, mostly unique exhibits from the collection of the Milaneum will bring a subject of taboo closer and thereby also provide insights into very intimate moments (private death photography). Nevertheless, it can only be an approach to an infinite and incomprehensible topic. „Exitus: Death in Photography 1850 – 1950“ was conceived as a contrast to the exhibition „Erotica: 1850-1950“. In their natural cycles death and life are to be regarded as an inseparable unity.

EXITUS-Plakat kl


Vergangene Ausstellungen:


 

Ausstellungsraum Spiegelgasse

GELD. Bildgeschichte 1850 – 1950 

Ausstellungsdauer: 18.1. – 4.5.2018, Do/Fr. 15 – 18.00, Sa. 12 – 15.00

Führungen: 20.4.18 / 3.5.2018 um 15:00, Dauer ca. 40 min

Geld ist unmittelbar, es ist überall und nirgendwo, wie die Luft, die wir atmen. Trotzdem sind viele Aspekte des wohl emotionalsten Mediums unserer Gesellschaft unerforscht oder ein Tabu. Die sinnlichen Qualitäten, emotionalen Bezüge, aber auch die Geschichten, Rituale und Umgangsformen in Bezug zu Bargeld schwinden und das Bewusstsein über das Medium verändert sich. Mit der zunehmenden Entmaterialisierung des Geldsystems scheint das Ende des Bargeldes nahe zu sein. Gerade jetzt sollte der Kulturgeschichte des Bargeldes nachgegangen werden. Mila Palm hat eine eigene, historische Studiensammlung zu den sinnlichen und kulturellen Aspekten des Geldes angelegt.

In der Ausstellung werden erstmals Objekte aus dieser Sammlung präsentiert. Der Schwerpunkt liegt auf monetärer Bildkultur von ca.1850 bis 1950. Über 150 Exponate bezeugen, dass Geld kein wertneutrales und zeitloses Zahlungsmittel ist, sondern in historische und soziale Kontexte eingebettet ist, mit vielfältigen emotionalen, psychologischen und moralischen Implikationen. Illustratoren haben sich seit Jahrhunderten bemüht, die immateriellen Werte der Finanzwelt sichtbar zu machen. Eine umfangreiche Sammlung an Postkarten (1890 bis 1920) und Zeitschriften geben Einblicke in den grafischen Ideenreichtum und die vielfältige Symbolik zur „Religion“ der Moderne. Das fotografische Highlight ist eine amerikanische Tresorfabrikation um 1900.

MONEY. image culture 1850 – 1950

Money is immediate, it is everywhere and nowhere, like the air we breathe. Nevertheless, many aspects of the most emotional medium of our society are unexplored or taboo. The sensual qualities, emotional relationships, but also stories, rituals and manners in relation to cash are dwindling and the awareness of the medium is changing. With the increasing dematerialisation of the monetary system, the end of the cash seems close. Right now, the cultural history of cash should be investigated. Mila Palm has therefore created her own historical study collection on the sensual and cultural aspects of money.

For the first time, objects from this collection will be shown in this exhibition. The focus is on monetary image culture from ca.1850 – 1950. More than 150 exhibits testify that money is not a value-neutral and timeless means of payment, but embedded in historical and social contexts, with manifold emotional, psychological and moral implications. For over three centuries, illustrators have been exploring how to visualize the intangible values ​​of the financial world. An extensive collection of postcards (1890 to 1920) and journals will provide insights into the wealth of graphic ideas and the diverse symbolism of the „religion“ of modernity. Among the photographic highlights are photographs of an American vault maker around 1900.

 

Geld2Pressetext

 


Erotica 1850 – 1950

1.9-15.12.2017

Derzeit werden im Milaneum erotische Fotografien von 1850 – 1950 präsentiert. Darunter Körperstudien von bekannten Fotografen wie Gaudenzio Marconi, Wilhelm von Gloeden,  Wilhelm Plüschow, Hermann Heid, Otto Schmidt, Lehnert & Landrock, Rudolf Koppitz,  Maria Wölfl, Frantisek Drtikol, Anton Josef Trcka und anderen. Die Autoren vieler Exponate (speziell mit expliziteren Darstellungen) sind oft nicht überliefert. Ergänzt wird die Ausstellung durch Kuriositäten wie versteckte Mikrofotografien oder pikante Andeutungen auf Postkarten. Besondere Seltenheit haben die über 100 Exponate anonymer, erotisch / pornographischer Alltagskultur um 1900. Die meisten Objekte dieser Art wurden nämlich vernichtet. 

Beispiele aus der Ausstellung: EDITIONEN

Erotica-Plakat_RZ_Pfade.indd


 1.6.-30.8.2017

Kaiser Franz Joseph I. im Zerrspiegel der Propaganda-Postkarten

 1.6.-30.8.2017

Geistige Mobilmachung, staatliche Meinungslenkung und mediale Agitation haben
im ersten Weltkrieg (1914–1918) ein bislang unbekanntes Niveau erreicht. Die
Propagandastellen steuern den Informationsfluss und die Zensurmaßnahmen.
Die Kriegspropaganda der Entente-Mächte ist im Vergleich zur k. u. k. Armee sehr
effizient. Der Karikatur kommt hier eine entschiedene Rolle zu. Sie soll die Bevölkerung
für den Krieg mobilisieren, die Moral steigern und Feindbilder schüren.
Die Karikatur erlebt in den Tages-, Wochen- und Satireblättern ihren Höhepunkt
und findet über die Postkarte eine grosse Verbreitung. Diese Bilder sollten den
Soldaten im Feld die Ängste nehmen, als Ventil für Aggressionen fungieren und
als Ablenkung dienen.

Viele Postkarten stammen aus den Jahren 1914/1915, als Italien den Beitritt zu den
Entente-Mächten verhandelte. Der Feind wird als Monster, Untier, Teufel oder
der personifizierte Tod dargestellt. Einige Motive stammen von italienischen
Künstlern wie R. Ventura und Aurelio Bertiglia. Zu den bekanntesten Serie zählt
der 54-teilige “Danza Macabra Europea” (1914-1916) von Martini. Beseelt von
patriotischem Nationalismus, verunglimpfen Gräuelkarikaturen die gegnerischen
Staaten. Der Humor wird zur Waffe. Im Falle Österreichs ist es Kaiser Franz
Joseph, auf den der Hass vom Feind übertragen wird. Gerne wird auf dessen Alter
und Schwäche angespielt.

Die stark zugespitzten Hetzbilder arbeiten mit den Assoziationen des Betrachters.
Trotz verzerrter Grenze zwischen Wahrheit und Trugbild, sind die Zeichnungen interessant, weil sie den Erregungszustand einer Generation visualisieren. Sie sind
ein Desiderat für ikonographische und semiotische Untersuchungen. Kaiser Franz
Joseph, der mit einer Regentschaftsperiode von 68 Jahre, noch heute Symbol der
k.u.k. Monarchie ist, hat sich Zeit seines Lebens gesetzlich davor schützen lassen,
lächerlich gemacht zu werden. Daher sind Karikaturen über ihn selten, zumindest
in Österreich.

Kampf der Grossmächte 1914